
Neben der Landwirtschaft wird auf den Gesellschaftsinseln auch Wasserwirtschaft betrieben. Daher besuchten wir heute eine Perlenfarm, von der wir wussten, dass wir hier den kompletten Prozess der Perlenzucht beobachten können.

Um neuen Gästen Platz zu machen, mussten wir die Festmacherboje von Vanilla Tours noch am Nachmittag verlassen. Daher segelten wir zur Apu-Bucht und konnten dort gerade noch eine der begehrten Festmacherbojen ergattern. Ankern ist für uns hier bei einer Wassertiefe von 35 Metern nahezu unmöglich.

Für unseren Landgang am nächsten Morgen nutzten wir den Anlegesteg der Champon Pearl Farm, der sich in Lee von Pointe Toamaro befindet. Von hier aus waren es nur noch wenige hundert Meter auf der Küstenstraße bis zur Perlenfarm.

Die Perlenfarm selbst befindet sich auf einem sehr gepflegten Anwesen, das natürlich direkten Zugang zur Lagune hat. Wir bekamen sofort eine englischsprachige Führerin zugeteilt, die uns anhand einer geöffneten Auster deren Innenleben erklärte.

Gut zu erkennen ist auf dem obigen Bild in der rechten Austernhälfte die Tasche mit der Perle. Ihren Namen „Schwarze Südseeperlen“ verdanken diese Perlen der schwarzen Färbung des Muskelfleisches der schwarzlippigen Südseeauster. Die Perlen selbst sind jedoch nicht alle schwarz, sondern kommen in nahezu allen Farbtönen vor.

Nach der Theorie konnten wir in einer Arbeitshütte über dem Wasser der Praxis zusehen: der Entnahme einer Perle und der anschließenden Neuimplantierung. Dabei wird eine kleine Kugel aus einer Muschelschale zusammen mit einem winzigen Stück Epithelgewebe einer anderen schwarzen Perlmuschel eingesetzt. Dieses Gewebe regt die Bildung des Perlmutts an und ist zugleich für dessen Farbgebung verantwortlich. Dieser Vorgang wird etwa alle 18 Monate wiederholt, wobei gleichzeitig ein Auswahlprozess erfolgt. Nur Austern, die eine Perle guter Qualität hervorgebracht haben, werden erneut besetzt. Alle anderen werden nach verwertbaren Bestandteilen sortiert: Essbares und für das Kunsthandwerk geeignete Muschelschalen werden weiterverarbeitet, der Rest geht als Nahrung für die Fische zurück ins Meer.

Pro Arbeitstag werden hier etwa 600 Perlaustern vom Riff geholt und bearbeitet. Wir konnten heute sowohl einer Erstentnahme als auch der Implantierung einer neuen, gleich großen Kugel zusehen.
Erstaunlich war, mit welchem Geschick und welcher Geschwindigkeit die Arbeiterin dabei vorging. Der Ertrag in der kurzen Zeit, in der wir zusahen, konnte sich durchaus sehen lassen.

Zurück im Verkaufsraum wurden wir über die preisbestimmenden Merkmale informiert. Zunächst spielt die Größe eine wichtige Rolle. Nach 18 Monaten können die Perlen einen Durchmesser von bis zu 10 Millimetern erreichen. Größere Perlen entstehen erst nach mehrmaligem Besatz einer Auster.
Weiterhin ist auch die Form entscheidend, die von unregelmäßig und barock über tropfenförmig bis zur perfekten Kugel reichen kann. Zuletzt kommen noch die Qualitätsstufen zum Tragen, die vor allem durch den Glanz und die Anzahl der Einschlüsse bestimmt werden.

Die Preisspanne reicht dabei von etwa 75 Euro für eine Perle sichtbar schlechterer Qualität bis zu einem mittleren vierstelligen Euro-Betrag für eine Perle wie auf dem obigen Bild. Die Führung war lehrreich und ausgesprochen interessant anzusehen. Von einem Kauf sahen wir aufgrund der horrenden Preise jedoch ab.