Von Hakatea nach Taiohae

Fast eine Woche hatten wir nun in der Daniels Bay verbracht, die hier unter ihrem lokalen Namen Hakatea Bay bekannt ist. Da in der kommenden Woche unser neuer Dinghymotor eintreffen sollte, machten wir uns noch vor dem Wochenende auf den Weg nach Taiohae.

In den Tagen vor unserer Abfahrt besuchten wir noch mehrmals die kleine Siedlung Hakaui. Die Berge rund um die Daniels Bay ragen steil und hoch empor, weshalb sich bei der derzeit wechselhaften Wetterlage häufig dunkle Regenwolken an ihnen bildeten oder hängen blieben. Fast täglich brachte uns das mehrere tropische Regenschauer, die meist am Abend oder in den frühen Morgenstunden niedergingen.

Diese Regenfälle hielten jedoch meist nur kurz an. Bei Hochwasser konnten wir zudem mit dem Dinghy über den kleinen Fluss fahren und Hakaui deutlich schneller erreichen als zu Fuß.

Nachdem das Dinghy an einer der Palmen festgemacht war, standen wir bereits mitten in den gepflegten Gärten der Siedlung.

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Wir schlenderten durch das Tal und kamen mit den Einheimischen ins Gespräch. Sie waren stets freundlich und boten uns ihre Produkte an. So deckten wir uns noch einmal mit Mangos ein, deren Erntezeit sich langsam dem Ende zuneigte. Auch bei seltenen Zutaten wie frischem Ingwer und Chili wurden wir fündig.

ISBN: 9783492305228

Kaum zu glauben, dass sich in diesem friedlichen Tal im Jahr 2011 eine Tragödie ereignet hatte. Der deutsche Segler Stefan Ramin kam hier unter bis heute viel diskutierten Umständen durch einen Einheimischen ums Leben. Da von ihm lediglich einige verbrannte Überreste gefunden wurden, griffen zahlreiche Medien schnell das Schlagwort „Kannibalismus“ auf, obwohl dies nie nachgewiesen werden konnte.

Der Täter versteckte sich anschließend 50 Tage lang in der Wildnis, bevor er sich schließlich selbst der Polizei stellte. Im selben Jahr wurde er zu 28 Jahren Haft verurteilt.

Die Ereignisse wurden später sowohl in einem Spielfilm als auch im Buch Blauwasserleben aufgearbeitet, das von Stefans Lebensgefährtin Heike Dorsch geschrieben wurde. Zufälligerweise hatten wir dieses Buch sogar an Bord.

Doch heute war es nun soweit. Gegen 9 Uhr verließen wir die geschützte Ankerbucht und machten uns auf die kurze Strecke von nur fünf Seemeilen nach Taiohae.

Normalerweise lässt sich eine solche Distanz in etwa einer Stunde zurücklegen. Doch kaum hatten wir den Schutz der Bucht verlassen, empfingen uns über 20 Knoten Wind und kurze, etwa zwei Meter hohe Wellen direkt von vorne.

Erst nach rund zwei Stunden erreichten wir die große Bucht des Hauptortes von Nuku Hiva. Auch sie war tief eingeschnitten und bot guten Schutz vor dem Wind. Durch ihre weite Öffnung konnte jedoch der Schwell aus südlicher Richtung nahezu ungehindert in die Bucht laufen.

Nach einer Runde durch den gut gefüllten Ankerplatz entschieden wir uns für einen Platz am westlichen Ende der Bucht, wo uns die Bedingungen am ruhigsten erschienen.

Zum ersten Mal brachten wir zusätzlich einen Heckanker aus. Dieser sollte Kirke mit dem Bug in die Wellen drehen und so das lästige Rollen deutlich reduzieren.

Bis wir schließlich sicher vor Anker lagen, war zwar etwas mehr Arbeit nötig als gewohnt. Doch die Mühe lohnte sich: Von unserem nun angenehm ruhigen Boot aus konnten wir entspannt beobachten, wie andere Yachten weiterhin ihr ganz persönliches „Rock and Roll“ aufführten.