
Über die Wanderung zum Vaipo-Wasserfall hatten wir bereits viel gehört und gelesen: leichte Wanderung, mehrere Flussdurchquerungen und Steinschlaggefahr im Canyon. Heute wollten wir uns selbst ein Bild von diesem Teil von Nuku Hiva machen.

Bis zum Ortsende von Hakaui kannten wir den Weg bereits. Vorbei an gepflegten Gärten führte uns ein breiter und gut ausgebauter Weg taleinwärts. Selbst zwei Stunden nach Sonnenaufgang drang in das tief eingeschnittene Tal kaum ein Sonnenstrahl. Uns kam das gerade recht, denn hier wird es täglich mindestens 30 °C warm.

Am Ortsende wies uns ein kleines Schild unmissverständlich auf die Eintrittsgebühr für den Besuch des Wasserfalls hin: umgerechnet acht Euro pro Person. Offenbar dient sie dem Unterhalt des Weges, der teilweise über Privatgelände führt.

Zum Glück waren wir früh unterwegs und hatten die Natur noch ganz für uns allein, denn scheinbar wurden später noch mehrere Wandergruppen erwartet. Von nun an wurde der Weg schmaler und führte entlang weiterer gepflegter Gärten immer tiefer in den bereits von Weitem sichtbaren Wald hinein.

Auch die erste Flussüberquerung ließ nicht lange auf sich warten. Mit unseren Wasserschuhen gingen wir problemlos durch das fast knietiefe Wasser.

Aus dem breiten Weg wurde nun ein schmaler Trampelpfad, auf dem wir uns langsam aber stetig am rechten Rand des Tales in die Höhe arbeiteten. Da es in der Nacht nicht geregnet hatte, war der Pfad einigermaßen trocken und nur an wenigen Stellen rutschig.

Nach etwa eineinhalb Stunden Wanderung gab der dichte Wald für wenige Meter den Blick auf unser Ziel frei. Dieser Aussichtspunkt ist tatsächlich die einzige Stelle, von der aus man den oberen Teil des höchsten Wasserfalls der Marquesas-Inseln sehen kann.

Noch immer stiegen wir weiter auf und fragten uns inzwischen, ob wir nochmals absteigen mussten, denn der Wasserfall lag auf der gegenüberliegenden Talseite in einem engen Canyon. Den Fluss, den wir später noch einmal überqueren mussten, konnten wir weiter unten gut hören, auch wenn er zwischen den Bäumen und dem üppigen Grün kaum sichtbar war.

Den Fluss erreichten wir schließlich ohne größeren Abstieg kurz vor dem Eingang des Canyons. Dieses Mal mussten wir jedoch erst den weiteren Verlauf des Weges auf der anderen Seite finden. Außer dicht bewachsenem Ufer war zunächst nichts zu erkennen. Zumindest zeigte uns ein großes Steinmännchen mitten im Fluss, dass wir an der richtigen Stelle zur Flussquerung waren.

Wir folgten einigen niedergetretenen Stellen im Gras und fanden so auch den Eingang zum Canyon, der uns mehrfach über und durch den Bach führte, der direkt vom Wasserfall kam.

Nun war auch der enge, über 100 Meter hohe Canyon deutlich sichtbar. Am rechten Ufer fanden wir wieder einen schmalen Pfad, der im Schutz des Waldes tiefer in die Schlucht hineinführte.

Nur wenige Meter mussten wir direkt an der Felswand entlanggehen, bevor sich der Canyon plötzlich zu einem weiten Kessel öffnete.

Nun hatten wir es geschafft. Der obere Teil des Wasserfalls blieb allerdings hinter den Felswänden verborgen. Zwar war das Donnern des Wassers deutlich zu hören, von unserer Position aus jedoch leider nicht sichtbar.

Auf ein Bad im Pool verzichteten wir bewusst. Das Wasser war etwas trüb und wir wollten uns der möglichen Steinschlaggefahr unter den senkrechten, teils überhängenden Felswänden nicht unnötig aussetzen.

Auf dem Rückweg wirkte der Canyon noch eindrucksvoller. Das üppige Grün vor den rötlichen und schwarzen Felsen, kombiniert mit dem weiß-blauen Himmel, erzeugte einen beinahe unwirklichen Kontrast.

Dass wir uns direkt auf den Rückweg gemacht hatten, erwies sich als gute Entscheidung. Gerade als wir erneut die Flussquerung erreichten, öffnete der Himmel seine Schleusen für einen der typischen tropischen Regengüsse.

Im Schutz des Waldes bekamen wir vom Regen zwar nicht allzu viel mit – abgesehen davon, dass der Weg nun nass, teils rutschig und schlammig wurde.

Als wir nach einer weiteren Stunde Abstieg wieder offenes Gelände erreichten, zeigte sich bereits die Sonne zwischen den Wolken. Bei unserer Ankunft am Strand war der Himmel sogar nahezu makellos blau.
Dieses Jahr sorgt der Einfluss von El Niño offenbar auch hier für besonders wechselhaftes Wetter – es regnet sehr oft, obwohl eigentlich Trockenzeit sein sollte.