Eine ruhige Nacht und ein wilder Pass

Der Wetterbericht kündigte bereits seit Tagen eine Wetteränderung an. Eine Woche lang hatte das gute Wetter angehalten, und obwohl sich die angekündigte Verschlechterung immer wieder verzögerte, mussten wir nun entscheiden: Weiterziehen oder auf Tahanea einen Ankerplatz aufsuchen, der uns besseren Schutz vor den angekündigten Winden aus südöstlicher Richtung bot

Wir entschieden uns, weiter zum Makemo-Atoll zu segeln. Der leichte Wind aus Südost, kaum nennenswerte Wellen und der fast volle Mond versprachen einen angenehmen und hellen Nachttörn. Auch der Zeitpunkt des Strömungswechsels im Nordwestpass von Makemo passte gut zu unserem Plan: Kurz nach Sonnenaufgang erwarteten wir zunächst Stillwasser, bevor die Strömung auf auslaufendes Wasser drehen sollte.

Am späten Nachmittag verließen wir das Tahanea-Atoll ohne Probleme auf demselben Weg, auf dem wir gekommen waren. Die zwei Knoten mitlaufender Strömung zeigten uns, dass der Strömungswechsel bereits mehr als eine Stunde vor Hochwasser eingesetzt hatte.

Wir liefen mit voller Besegelung und Motorunterstützung direkt auf das Makemo-Atoll zu. Leider reichte der leichte Wind nicht aus, um die erforderlichen drei Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit zu erreichen und rechtzeitig zur Passeinfahrt zu kommen.

So ruhige Bedingungen, vergleichbar mit einem See, hatten wir schon lange nicht mehr erlebt. Ohne Wellen glitten wir nahezu lautlos und ruhig durch das Wasser. Nur die lange Dünung hob und senkte das Boot alle 15 Sekunden kaum merklich um etwa einen Meter.

Etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang ging schließlich der Mond feuerrot im Nordosten auf. Der Wind hatte inzwischen auf sieben Knoten aufgefrischt und war damit stark genug, um auf die Motorunterstützung verzichten zu können. Das fast volle Mondlicht machte die Nacht angenehm hell.

Pünktlich zum Sonnenaufgang erreichten wir den Eingang zum Pass im Nordwesten von Makemo. Schon weit außerhalb sahen wir die starken Verwirbelungen des ausströmenden Wassers. Der Strömungswechsel hatte also bereits stattgefunden.

Unser Vorteil war nun, dass der leichte Wind in Strömungsrichtung keine stehenden Wellen entstehen ließ. Die Strömung selbst nahm im Pass jedoch bis auf 4,5 Knoten zu und verlangsamte unsere Fahrt trotz hoher Motorleistung erheblich. An den seitlichen Zuflüssen durch das Riff bildeten sich starke Verwirbelungen, die uns kräftig durchschüttelten und immer wieder vom Kurs abzudrängen versuchten.
Nach einer Stunde hatten wir es schließlich geschafft und befanden uns wieder im ruhigen Wasser der Lagune.

Bis zu unserem Ankerplatz waren es noch zehn Seemeilen. Unter ständiger Beobachtung durch Rita am Bug legten wir diese Strecke bei langsamer Motorfahrt gegen das Sonnenlicht zurück. Zuverlässige Seekarten für diesen Bereich der Lagune gibt es nicht. Deshalb nutzten wir wieder unsere Luftbildaufnahmen, um zumindest die darauf erkennbaren Korallenköpfe weiträumig zu umfahren.

Der Ankergrund auf zehn Metern Wassertiefe bestand wie schon auf Tahanea aus Sand, durchsetzt mit kleineren Korallenblöcken. Wir nutzten wieder die Technik der „schwebenden Ankerkette“, um zu verhindern, dass sich die Kette irgendwo verhakte. Mit 50 Metern Kette waren wir außerdem gut für den angekündigten Wetterwechsel vorbereitet.

Dieser stellte sich bereits am Nachmittag ein und brachte Windgeschwindigkeiten von bis zu 30 Knoten und kräftigen Regen.

Der Anker hatte sich inzwischen gut eingegraben und hielt uns exakt auf Position. Die Prognose für die nächsten Tage sagte für die gesamte Woche eine weiterhin unbeständige Wetterlage mit Schauern voraus. Der Wind sollte jedoch auf etwa 20 Knoten abnehmen – genug Zeit also für uns, es uns mit Büchern gemütlich zu machen und ein wenig zu faulenzen.

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