Von Hirifa nach Tahanea

Nach einem weiteren Tag in Hirifa drängte uns die Wettervorhersage geradezu zum Weitersegeln. Bis nach Tahanea waren es auf direktem Weg zwar nur 50 Seemeilen, wie viele wir tatsächlich zurücklegen würden, sollte uns allerdings der reale Wind zeigen.

Am letzten Tag in Hirifa unternahmen wir noch eine kleine Wanderung, die es allerdings in sich hatte. Zunächst gingen wir am Strand entlang in Richtung Norden, um uns nach einigen hundert Metern quer durch das Dickicht zu kämpfen.

Schnell sahen wir ein, dass es ohne Machete in diesem dichten Bewuchs kein Durchkommen gab. Also kehrten wir um und versuchten es erneut bei einem Wohnhaus. Hier führte unser Weg zunächst durch den Garten. Anschließend folgten wir einem Trampelpfad, der noch nicht ganz so stark zugewachsen war.

An der Küste des Außenriffs angekommen, trafen wir auf ein großes Steinmännchen, das den Weg zurück zur Lagune anzeigte.

Wir gingen am Außenriff entlang nach Süden. Sand gab es hier keinen, sondern nur grobes und scharfkantiges Korallengestein. Wir konnten uns lebhaft vorstellen, mit welcher Gewalt der offene Ozean bei schlechtem Wetter an den Außenriffen der Atolle arbeitet.

Nach ungefähr einem Kilometer trafen wir wieder auf ein Steinmännchen, das auf einen Pfad zurück zur Lagune hinwies. Dieser war in kurzen Abständen mit Perlenbojen markiert, die zumindest die Richtung durch das überwucherte Unterholz vorgaben.

Dabei kamen wir an mehreren Wohnhäusern vorbei. Sie sahen zwar nicht alle verlassen aus, angetroffen haben wir allerdings niemanden.

Auf dem weiteren Weg zur Südspitze von Hirifa folgten wir einer kleineren inneren Lagune, die ständig mit den Gezeiten mit frischem Wasser versorgt wurde. Auch hier sahen wir jede Menge junger Schwarzspitzenriffhaie, die hier durch die Kinderstube der Jungfische patrouillierten.

Bis zur Südspitze von Hirifa war es nun nicht mehr weit. Der Sand war hier nicht weiß, sondern leicht rosa – die Färbung kam von den zermahlenen Korallen und Muscheln.

Entlang des Lagunenstrandes konnten wir endlich barfuß laufen. Was für eine Wohltat nach all dem schroffen Korallengestein des bisherigen Weges! Fast überall entlang des Strandes trafen wir im seichten Wasser der Lagune auf die jungen Schwarzspitzenriffhaie.

Eine Ruine am Strand mit der Jahreszahl 1879 über dem Türrahmen zeugte davon, wie lange bereits Menschen in der Kolonialzeit auf diesem entlegenen Stück Erde gelebt hatten.

Am nächsten Morgen hieß es sehr früh aufzustehen, denn wir mussten bereits eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang abfahren.

Ohne detailliertes Kartenmaterial folgten wir mithilfe unserer Satellitenbilder und einiger Fahrwasserbojen dem Riffrand nach Süden in Richtung Südpass.

Zu Beginn der Passpassage zog es uns mit der Strömung in den Pass hinein, teilweise mit bis zu 3 Knoten. Auf der Außenseite kam uns das Wasser allerdings bereits wieder entgegen. Wir hatten offenbar ziemlich genau die kurze Stillwasserphase mit der Strömungsumkehr im Pass erwischt und damit optimale Bedingungen für das Verlassen des Fakarava-Atolls.

Ab jetzt war Segeln angesagt. Wir hatten mit rund 25 Stunden genügend Zeit bis zur Riffpassage von Tahanea am nächsten Morgen. Das Wetter war wie vorhergesagt ruhig mit 3–4 Bft. Nur die Windrichtung war geringfügig südlicher, was uns ein paar Wenden mehr einbrachte.

Wir kreuzten südlich des Atolls Faaita gegen Osten auf, um dann in der Nacht zwischen Faaita und Tahanea auf die Nordseite des Atolls zu wechseln und dort weiter gegen Osten aufzukreuzen.

Da wir genügend Zeit hatten, blieb der Motor diesmal auf der gesamten Strecke aus. Mit zehn Wenden und über 100 Seemeilen versegelter Strecke kamen wir sogar noch zu früh am Mittelpass von Tahanea an.

Im Pass zeigten sich trotz einer Stunde bis zum Strömungswechsel nur ein paar kleinere Wellen im Westteil des Passes. Daraufhin fuhren wir sofort mittig in den Pass hinein. Die noch bestehende Gegenströmung von 2,5 Knoten stellte bei dem flachen Wasser kein Problem dar.

Viel schwieriger war es, einen geeigneten Ankerplatz zu finden. Noch nirgendwo hatten wir eine so große Dichte an Korallenblöcken im Ankerfeld gesehen. Nach mehrmaligem Auf- und Abfahren über dem Ankerplatz entschieden wir uns, den Anker auf einem Sandfeld von vermutlich zehn mal zehn Metern fallen zu lassen.

Zum Schutz der Korallen und unseres Ankergeschirrs nutzten wir hier eine spezielle Ankertechnik, bei der die Ankerkette vom Grund abgehoben wird. Dadurch kann sie sich beim Schwojen nicht in den umliegenden Korallenblöcken verfangen.

Dazu befestigen wir die erste Perlenboje an der Ankerkette, nachdem wir die Kette in einer Länge von etwa der zweifachen Wassertiefe ausgelegt haben. Anschließend folgte alle fünf Meter eine weitere Boje, bis die gewünschte Kettenlänge ausgebracht ist. Die Bojen halten die Kette zwischen Anker und Boot in der Schwebe und verhinderten so, dass sie über die Korallenblöcke am Grund gezogen oder sich gar darin verfangen könnte.
Sobald Wind aufkommt und Zug auf der Ankerkette entsteht, wird die Kette trotzdem wie gewohnt in der üblichen Kettenlinie straff gezogen. Die Bojen beeinflussen also nicht die Funktion des Ankers, sondern sorgen lediglich dafür, dass die Kette im unbelasteten Zustand über dem Korallenboden schwebt.

Im Video ist diese Technik noch einmal aus der Unterwasserperspektive zu sehen. Auf jeden Fall schnorchelten wir nach dem Ankern die Stelle noch einmal ab, um sicherzugehen, dass sich der Anker eingegraben hatte und die Kette wie gewünscht über den Korallenblöcken schwebte.

Vollmond über Tahanea

Wieder war ein großes Stück des Weges nach Osten geschafft. Dass wir bis hierher so gut und schnell vorangekommen waren, hatten wir zunächst nicht erwartet. Nun haben wir aber mehr Spielraum, um auf dem weiteren Weg zu den Marquesas noch einige zusätzliche Atolle zu besuchen.