Zwei schlaflose Nächte auf dem Weg zurück zu den Tuamotus

Nach etlichen ruhigen Tagen mit malerischen Sonnenuntergängen, die wir gerne zur Happy Hour im Hafenrestaurant Casa Bianca verbrachten, zeichnete sich für unseren Abfahrtstag eines der seltenen Wetterfenster ab – eines, das uns auf direktem Weg zu den Tuamotus bringen könnte.

Schon fünf Tage vor unserer geplanten Abfahrt zeichnete sich ab, dass ein großes, nach Osten ziehendes Hochdruckgebiet dicht auf ein Tiefdrucksystem weit südlich von uns folgen würde. Der enge Abstand der Isobaren versprach kräftigen Südwind, der bis in unsere tropischen Breiten reichen sollte.

Um 8:30 Uhr legten wir in der Marina ab und nutzten den Wasserweg innerhalb der Lagune, um über den Hafen von Papeete Tahiti zu verlassen. Trotz der Windstille konnten wir schon sehen, dass die schweren Wolken noch einige nasse und windige Überraschungen für uns bereithalten würden.

Noch innerhalb der Lagune begann es dann so heftig zu regnen, dass wir keine 100 Meter weit sehen konnten. Wir drehten deshalb zunächst ein paar Runden im Vorhafen von Papeete, bis der Regen etwas nachließ und wir die Segel setzen konnten.

Unter Motor fuhren wir noch ungefähr eine Stunde, um aus dem Windschatten von Tahiti herauszukommen. Ab Point Venus an der Nordspitze konnten wir, in Lee von Tahiti, bei leichtem Wind, einigen Regenschauern und glatter See bereits den direkten Kurs auf Fakarava anlegen.

Je größer der Abstand zu Tahiti wurde, desto stärker setzte sich der angekündigte Südwind durch. Mit ihm wurden auch die Wellen immer größer, was das Segeln zunehmend unangenehm machte.

Uns war durchaus bewusst, dass Wetterlagen, die vom normalen Passatwind abweichen, meist auch mit unruhigerem Wetter einhergehen. Genau so verlief dann auch unsere erste Nacht.

Der Wind wechselte ständig zwischen 12 und 32 Knoten und ließ uns kaum zur Ruhe kommen, da wir immer wieder die Segelfläche anpassen mussten. Die durchschnittliche Wellenhöhe war inzwischen auf etwa 2,5 Meter angewachsen. Die Wellen trafen uns genau von der Seite auf Steuerbord, sodass zum Nass von oben gleich mehrfach eine weitere Dusche dazukam: Viermal brach sich eine größere Welle an der Bordwand und flutete dabei das Cockpit.

Vom Halbmond war wegen der geschlossenen Wolkendecke ebenfalls nichts zu sehen. Umso erleichterter waren wir, als am nächsten Morgen die Sonne vor unserem Bug aufging und sich ein wesentlich konstanterer Wind um 20 Knoten einstellte. Die Wellen waren zwar immer noch hoch, aber nicht mehr so steil und aggressiv.

Erst am späten Nachmittag des zweiten Seetages lockerten sich die Wolken auf und gaben den Blick auf den schon hoch am Himmel stehenden Mond frei, dessen Licht in der folgenden Nacht wieder ein wenig Helligkeit in die Dunkelheit brachte.

Am folgenden Tag zeigte sich auch wieder die Sonne bei nur leichter Bewölkung. Nun konnten wir unser Ölzeug ablegen und die triefnassen Kleider von Regen und Schweiß gegen trockene Sachen wechseln – was für eine Wohltat!

Bei konstantem Südwind um 20 Knoten konnten wir in der Nacht trotz eines Gegenstroms von 0,5 bis 1 Knoten gut Strecke machen. Unsere Ankunft erschien dadurch gegen Mittag des dritten Seetages möglich.

Doch das nützte uns zunächst gar nichts. Die Gestimator-Berechnung sagte für die Einfahrt in die Lagune von Fakarava um 14 Uhr eine auslaufende Strömung von mehr als 5 Knoten voraus.

Also reduzierten wir die Segelfläche, um erst nach 15 Uhr vor dem Pass anzukommen und uns dann vor Ort ein Bild von der Lage zu machen.

Kurz nach 15 Uhr erreichten wir den Pass, starteten den Motor und bargen die Segel. Bei dem inzwischen aus Südost kommenden Wind würden sie uns auf dem Kurs in das Atoll ohnehin nicht mehr unterstützen.

Im Großen und Ganzen sah das Wasser im Pass zwar kabbelig aus, doch große stehende Wellen waren zunächst nicht zu erkennen.

Also nahmen wir Kurs auf den ruhigsten Teil des über einen Kilometer breiten Passes und fuhren in die Lagune ein. Mit 3.000 Umdrehungen trieb uns der Propeller mit einer Geschwindigkeit von mehr als 6 Knoten durchs Wasser.

Über Grund reduzierte sich unsere Geschwindigkeit jedoch auf einer längeren Strecke auf gerade einmal 2,5 Knoten. Aber wir kamen voran.

Im Video, das wir nach hinten aufgenommen haben, sind die stehenden Wellen gut zu erkennen. Sie waren zwar nicht besonders hoch, ließen uns aber nur ganz langsam entkommen.

Nach etwa einer halben Stunde lag der Pass hinter uns. Nun konnten wir den Ankerplatz vor dem Hauptort Rotoava ansteuern und erreichten ihn noch eine Stunde vor Sonnenuntergang.


Das Ankerbier hatten wir uns auf dieser Etappe mit zwei schlaflosen Nächten jedenfalls hart erarbeitet – und fielen nach dem Abendessen auch sofort in einen tiefen Schlaf.

Fazit: Das Segeln in der Südsee ist nicht immer angenehm. Dafür hatten wir unsere Distanz zu den Marquesas-Inseln von 759 auf 528 Seemeilen verkürzt und den Kurswinkel um 10 Grad auf 50 Grad verbessert. Damit könnte sich unter Südost-Passatbedingungen sogar ein nahezu direkter Kurs ergeben.