100 Seemeilen zurück nach Moorea

Angestrengt und mit einem gehörigen Schreckmoment haben wir wieder ein gutes Stück des Rückweges nach Tahiti geschafft.

Um die rund 100 Seemeilen lange Strecke zwischen Huahine und Moorea zu bewältigen, benötigten wir eine vom normalen Südostpassat abweichende Windrichtung. Für gestern war ein kurzes Wetterfenster mit Nordostwind angekündigt. Diese Chance wollten wir nicht verpassen und machten uns bei leicht bewölktem Himmel sofort auf den Weg.

Doch selbst damit bescherte uns der nach Westen setzende Strom einen grausamen Wendewinkel, sodass wir beim Aufkreuzen kaum Höhe gutmachen konnten.

Gegen Mittag hatten wir endlich genügend Höhe erreicht, um Huahine sicher zu passieren und Kurs auf Moorea abzusetzen. Bei vier bis fünf Windstärken kamen wir eigentlich gut voran – wenn da nicht die Elemente gegen uns gearbeitet hätten. Wir konnten nicht allzu hart am Wind segeln, da wir sonst zu viel Fahrt verloren und vom Strom noch stärker versetzt wurden. Gleichzeitig bremsten uns die bis zu zwei Meter hohen Wellen immer wieder aus.

Zu Beginn der Nacht wechselte der Himmel von noch einigermaßen klar zu vollständig bewölkt. Die Nacht war und blieb stockdunkel, denn auch vom Mond, der im letzten Viertel der Nacht aufging, war nichts zu sehen.

Rund 30 Seemeilen vor Moorea drehte der Wind immer mehr auf Ost. Wir entschlossen uns deshalb, eine Wende nach Norden zu fahren, um wieder Höhe für den Kurs auf Moorea zu gewinnen. Doch bereits eine Stunde später setzte der vorherige Nordostwind wieder ein – also wieder zurück auf Steuerbordbug.

Bei dieser Wende bemerkte ich im Schein der Taschenlampe einen schwarzen, länglichen Fleck im oberen Teil des Vorsegels. Der Schreck war groß. Konnte es etwa ein Loch oder eine andere Beschädigung im Segel sein, die uns bisher nicht aufgefallen war?

Um einen möglichen Schaden nicht noch zu vergrößern, rollten wir das Vorsegel daraufhin ein. Nur mit dem Großsegel und mit Motorunterstützung ging die Fahrt weiter. Glücklicherweise waren es ja nur noch rund 20 Seemeilen bis Moorea.

Was für ein Wetter! Selbst aus nur wenigen Meilen Entfernung konnten wir Moorea im Morgengrauen lediglich an den dicken Wolken erkennen. Dafür wurden wir für einen kurzen Moment mit einer Walsichtung belohnt: Ein Blas, eine kurz aus dem Wasser ragende schwarz-weiße Fluke – und schon war er wieder abgetaucht.

Bei der Einfahrt in die Cook’s Bay setzte dann auch noch der Regen ein, und für heute war keine Wetterbesserung in Sicht. Da wir den Ort bereits kannten, war das Ankermanöver nach kurzer Zeit erledigt.

Schnell rollten wir das Vorsegel noch ein Stück aus – und die Erleichterung war groß. Wir konnten keine Beschädigung am Segel erkennen. Der schwarze Fleck war lediglich irgendeine Verschmutzung, die wir in den nächsten Tagen bei hoffentlich trockenem Wetter angehen würden.

Das mühsame Entfernen der Salzkruste vom Boot überließen wir heute jedoch gerne dem Regen.

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