
Da uns die Wetterprognosen nicht wohlgesonnen waren und für die nächsten zehn Tage keine günstigen Winde in Richtung Südwesten vorhersagten, nutzten wir das kurze Wetterfenster von rund 24 Stunden mit Ost-Nordostwind. Deshalb brachen wir heute Morgen auf und nahmen Kurs auf Tahiti.
Donnerstag, 9. Juli

Um 7:30 Uhr legten wir von der Mooring ab. Kurz darauf segelten wir im Lee von Toau nahezu ohne Wellengang auf unserem direkten Kurs von 235 Grad nach Tahiti. Rund 230 Seemeilen lagen vor uns.

Anfangs war die See noch angenehm ruhig. Doch sobald wir den Schutz von Toau verließen, bauten sich die Wellen rasch auf. Solange der Wind mit vier bis fünf Beaufort wehte, ließ sich Kirke gut steuern. Nachdem jedoch ein Wolkenband über uns hinweg gezogen war, fiel der Wind regelmäßig auf drei Beaufort ab. Die Segel begannen zu schlagen, und Kirke tanzte unruhig auf den Wellen. Kaum hatte sich der Wind wieder erholt, kündigte bereits das nächste Wolkenband die nächste Flaute an. Wenigstens hatten wir keinen Regen.

Die sternenklare Nacht verlief dagegen erfreulich ruhig und gleichmäßig. Unsere Wachen teilten wir wie gewohnt auf: Ich übernahm die Zeit von 18 Uhr bis Mitternacht, anschließend war Rita bis zum Sonnenaufgang an der Reihe.

Kirke rollte zwar weiterhin in den Wellen, doch wir konnten unseren Kurs auf die Südspitze von Tahiti ohne größere Kurskorrekturen halten.
Freitag, 10. Juli

Seit Mitternacht drehte der Wind gleichmäßig etwa alle drei Stunden um rund zehn Grad weiter auf Nord. Um nicht zu weit von unserer Ideallinie zur Südspitze Tahitis abzukommen, halsten wir zunächst vor dem Wind.

Bis auf eine Ausnahme hielt das schöne Wetter den ganzen Tag an. Der einzige Squall meinte es jedoch gut mit uns: Er ließ seine Schleusen geschlossen, und auch die erwartete Windverstärkung fiel überraschend schwach aus.

Am Nachmittag kam uns die allmähliche Winddrehung sogar entgegen. Dadurch konnten wir wieder direkt auf unser Ziel zusegeln und kamen schneller voran als ursprünglich erwartet.

Für die kommende Nacht bargen wir das Großsegel vollständig und segelten die letzten 50 Seemeilen zur Südspitze Tahitis nur noch mit der gerefften Genua. So reduzierten wir bewusst unsere Geschwindigkeit, um die Küste erst bei Tageslicht zu erreichen.
Samstag, 11. Juli
Der Plan ging auf – doch die Nacht hatte es in sich.
Gegen Mitternacht bildete sich dicht an unserer Kurslinie ein gewaltiger Squall, dessen Zugbahn genau über uns hinwegführte. Ein Ausweichen war unmöglich. Da wir dieses Ungetüm bereits seit seiner Entstehung auf dem Radar beobachtet hatten, überraschte es uns zwar nicht, doch die Intensität von Wind und Regen war beeindruckend. Für eine gefühlt endlose halbe Stunde zeigte uns die Natur wieder einmal, wer auf See das Sagen hat. Erst danach ließ der Regen langsam nach, und auch der Wind kehrte zu normalen Verhältnissen zurück.

Groß war unsere Erleichterung, als sich der Morgen mit dem schwachen Mond und dem Sternbild des Orion an einem klaren Himmel ankündigte. Nach den turbulenten Stunden der Nacht wirkte dieser Anblick fast unwirklich friedlich.

Im Morgengrauen erreichten wir die Südspitze Tahitis. Fast so, als hätte jemand einen Schalter umgelegt, setzte plötzlich völlige Flaute ein. Die letzten 20 Seemeilen legten wir deshalb unter Motor zurück – angetrieben vom „Dieselwind“.

Anfangs bremste uns die Gezeitenströmung mit rund einem Knoten entgegen unserer Fahrtrichtung zusätzlich aus, sodass sich der Weg bis zum Pass Tapuaeraha, durch den wir hinter das schützende Saumriff gelangten, etwas in die Länge zog.

Um 10:30 Uhr erreichten wir schließlich unseren geplanten Liegeplatz und machten an einer der drei kostenfreien Mooringbojen von Haitama fest. Ein großartiger Service: Die Bojen wurden erst vor Kurzem zum Schutz des Riffs ausgebracht und müssen online reserviert werden. Vermutlich war dieses Angebot noch nicht sehr bekannt, denn wir waren das einzige Boot. Im Vergleich zu den völlig überfüllten Ankerplätzen im Norden war das ein wohltuender Kontrast.

Beste Voraussetzungen also, um erst einmal eine gehörige Mütze Schlaf nachzuholen.