
Wie vorhergesagt drehte der Wind heute auf Nord. Daher verlegten wir unseren Ankerplatz in ruhigeres Wasser direkt an die Nordspitze des Atolls.

Die kurze Strecke von Rotoava bis zum Flugplatz hatten wir nach gut einer Stunde zurückgelegt und den Anker anschließend sicher im überwiegend 20 Meter tiefen Ankerfeld ausgebracht.

Das ausgewiesene Ankerfeld ist auf maximal fünf Boote und einen Aufenthalt von zwei Tagen begrenzt. Wir lagen jedoch ganz allein dort und genossen die herrliche Ruhe. Der gut ausgebaute Landungssteg des Flughafens lud natürlich dazu ein, die nähere Umgebung zu erkunden.

Unser erstes Ziel war der rund zwei Kilometer entfernte historische Leuchtturm von Topaka. Der 14,2 Meter hohe Turm besitzt zehn abgestufte Ebenen und wurde aus Korallensteinen und Zement errichtet.

Er entstand im Februar 1957. Die Bauleitung übernahm Madame Taui Degage, eine für die damalige Zeit außergewöhnliche Persönlichkeit. Als Unternehmerin leitete sie ein Team erfahrener Maurer von der Insel Rurutu. Gemeinsam errichteten sie mehrere Leuchttürme in Französisch-Polynesien.

Über Jahrzehnte diente der Turm als Orientierungshilfe für Fischer und Schiffe, die die Einfahrt durch den Garuae-Pass suchten. Er erinnert an eine Zeit, in der Versorgungsschiffe die wichtigste Verbindung der Tuamotu-Inseln zur Außenwelt waren.

Im Zeitalter der Satellitennavigation hat der Leuchtturm seine ursprüngliche Aufgabe verloren und ist heute vor allem ein Wahrzeichen. In der Nähe des Garuae-Passes wurde inzwischen ein modernes Leuchtfeuer errichtet. Zeitweise stand sogar ein Abriss des historischen Turms zur Diskussion, da er innerhalb der Sicherheitszone des Flughafens liegt. Weil er jedoch zu den wenigen historischen Bauwerken Fakaravas zählt, gibt es Bestrebungen, ihn zu erhalten.

Zurück am Flugplatz war dieser inzwischen aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Am heutigen Bettenwechseltag wurde eine Maschine mit rund 50 neuen Urlaubsgästen erwartet.

Mit reichlich Verspätung landete schließlich die zweimotorige Propellermaschine aus Papeete. Kurz darauf zogen wir uns wieder auf unser Boot zurück.
Bereits eine halbe Stunde später hob sie wieder ab. Wir schauten ihr noch nach, bevor sich erneut die vertraute Ruhe über unseren Ankerplatz legte. Wie unterschiedlich das Reisen doch sein kann: Während wir für die Strecke nach Tahiti bei günstigem Wind mindestens zwei Tage benötigen, schafft das Flugzeug dieselbe Distanz in weniger als zwei Stunden.