Das nukleare Erbe Polynesiens

Frankreich testete drei Jahrzehnte lang Atomwaffen im Pazifik. Die Menschen in Französisch-Polynesien trugen dabei die Hauptlast dieser Versuche.

Quelle: Association 193

Zwischen 1966 und 1996 zündete das französische Militär 193 Kernwaffen auf den abgelegenen Atollen Mururoa und Fangataufa. Das Gebiet gehörte zum traditionellen Siedlungsraum der Ma’ohi, der indigenen Bevölkerung Französisch-Polynesiens, und liegt nur rund 1.000 Kilometer von Fakarava entfernt. Bis heute sind beide Atolle militärisches Sperrgebiet.

Die erste Explosion mit dem Codenamen Aldebaran erfolgte vor genau 60 Jahren, am 2. Juli 1966. Sie markierte den Beginn eines Kapitels, das tiefe Spuren in der Geschichte Französisch-Polynesiens hinterließ. Die Karte zum Fallout macht deutlich, dass sämtliche Archipele Französisch-Polynesiens betroffen waren.

Erst 1996 stellte Frankreich sein Atomtestprogramm nach massiven nationalen und internationalen Protesten ein. Eine formelle Entschuldigung für die Folgen der Tests gegenüber der Bevölkerung Französisch-Polynesiens blieb jedoch bis heute aus.

Der Name der Association 193 erinnert dabei an die Gesamtzahl der französischen Kernwaffentests: 46 atmosphärische Tests zwischen 1966 und 1974 sowie 147 unterirdische Tests von 1975 bis 1996.

Die Vereinigung setzt sich dafür ein, die Erinnerung an die Atomtests wachzuhalten, Betroffene und ihre Familien zu unterstützen, die gesundheitlichen und ökologischen Folgen wissenschaftlich aufzuarbeiten sowie eine umfassende Anerkennung und Entschädigung der Opfer zu erreichen. Darüber hinaus fordert sie Transparenz über bislang geheime Dokumente und Messdaten.

Der heutige Gedenkmarsch machte deutlich, dass die Atomtests für viele Menschen hier kein abgeschlossenes Kapitel der Geschichte sind. Auch sechzig Jahre nach der ersten Explosion gehören Erinnerung, Aufarbeitung und der Wunsch nach Anerkennung noch immer zum Alltag vieler Familien.

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