Kurs auf Fakarava

Das Tuamotu-Archipel besteht aus 78 Inseln, die allesamt Korallenatolle sind. Es erstreckt sich über rund 1.500 Kilometer in Nordwest-Südost-Richtung zwischen den Marquesas-Inseln und Tahiti. Unser Ziel ist das Fakarava-Atoll, das zentral auf unserem Weg nach Tahiti liegt.

Tag 0 – Abfahrt – So., 21.06.2026

Kurz vor Sonnenuntergang verließen wir die Marquesas-Inseln von unserem letzten Ankerplatz in Hakatehau auf Ua Pou. Um 17 Uhr lichteten wir den Anker und nahmen Kurs auf die Tuamotus. Für die gesamte Passage von rund 530 Seemeilen rechneten wir mit etwas mehr als vier Tagen.

Erst nachdem wir die Südostspitze von Ua Pou passiert hatten, kamen wir aus dem Lee der Insel heraus und konnten den Vortrieb vollständig dem Wind überlassen. Von dort an begann die eigentliche Passage.

Tag 1 – Schlechtwetter – Mo., 22.06.2026

Das hatten wir uns ganz anders vorgestellt. Bereits in der Nacht begann es zu regnen. Zahlreiche Squalls zogen schräg von achtern heran und überholten uns. Da wir sie auf dem Radarschirm gut erkennen konnten, waren wir zumindest vorgewarnt. Mit heftigen Böen von bis zu 33 Knoten, nahezu windstillen Phasen und sintflutartigen Regengüssen überraschten sie uns jedoch jedes Mal aufs Neue.

Sonnenschein gab es den ganzen Tag nicht. Alles war grau in grau, und wir waren bereits froh, wenn wir in den Wolken überhaupt einige Konturen erkennen konnten.

Erst in der Nacht besserte sich die Lage etwas. Das war auch dringend notwendig, denn trotz Ölzeug waren wir inzwischen völlig durchnässt und das ständige Reffen und Ausreffen der Segel war äußerst anstrengend.

Tag 2 – Sonnenschein – Di., 23.06.2026

Unglaublich aber wahr, die ersten Sonnenstrahlen waren uns nach der Nacht herzlich willkommen. Und der Tag zeigte sich immer mehr von seiner besten Seite. Erstens, Rita hatte heute Geburtstag und es gab einen extra Riegel Schokolade und zweitens, ruhiges Segeln bei Sonnenschein, so wie man sich Südseesegeln vorstellt. Als dann am Nachmittag sich auch noch die Wellen ein wenig beruhigten, war es ein perfekter Segeltag.

Als sich am Nachmittag auch die Wellen etwas beruhigten, war der Tag schließlich perfekt.

Tag 3 – Denkste! – Mi., 24.06.2026

So schnell, wie das schöne Wetter gekommen war, war es auch schon wieder vorbei. Bereits in den dunklen Morgenstunden – der Mond war bereits untergegangen und bis zum Sonnenaufgang dauerte es noch eine Weile – formierten sich die Squalls zu einem neuen Angriff. Diesmal war ein Ausweichen oft nicht möglich, denn sie zogen deutlich schneller über uns hinweg.

Mit dem ersten Tageslicht konnten wir ihre Stärke besser einschätzen. Einmal bargen wir vorsorglich sogar das Großsegel vollständig, nur um fünf Minuten später bei 33 Knoten Wind trotzdem eine kräftige Dusche abzubekommen.

Die Erlösung kam erst südlich des 14. Breitengrades. Dort lösten sich die Wolken allmählich auf, und am Nachmittag bildeten sich – ganz untypisch für die vergangenen Tage – keine neuen Squalls mehr. Von nun an war wieder flottes Segeln angesagt. Bei 21 bis 24 Knoten Wind näherten wir uns den Tuamotus mit meist mehr als sechs Knoten Fahrt.

Tag 4 – Tuamotus voraus – Do., 25.06.2026

Eine helle Mondnacht ohne Squalls – was für eine Erleichterung! Jeder von uns konnte endlich wieder rund fünf Stunden Schlaf tanken und sich für den Endspurt erholen.

Etwa eine Stunde nach Sonnenaufgang passierten wir die Koralleninsel Tikei in rund sieben Kilometern Abstand an ihrer Ostseite. Es war die erste Insel der Tuamotus auf unserem Weg nach Fakarava. Bis zu unserem Ziel lagen allerdings immer noch rund 100 Seemeilen vor uns.

Wir waren nun jedoch zuversichtlich, die Riffpassage bei Stillwasser nach dem morgendlichen Niedrigwasser zu erreichen. Mit den neuesten Wind-, Wellen- und Strömungsdaten berechneten wir unsere gebremste Ankunftszeit. Aus früheren Passagen hatten wir gelernt, nicht zu früh Fahrt aus dem Schiff zu nehmen, denn in Küstennähe waren die Bedingungen oft ganz anders, als es die Wettermodelle vorhergesagt hatten.

Tag 5 – Ankunft – Fr., 26.06.2026

Der nahezu volle Mond tauchte die Nacht in ein helles Licht, während der Passat mit konstant 15 Knoten wehte. Die eigentliche Herausforderung bestand diesmal darin, das Boot möglichst langsam zu machen, um nicht zu früh am Pass anzukommen. Mit nur etwa zehn Quadratmetern Vorsegel glitten wir gemütlich mit rund drei Knoten durch die Nacht.

Bei den ruhigen Bedingungen berechneten wir den Zeitpunkt des Stillwassers auf etwa 8:30 Uhr. Trotzdem waren wir noch etwas zu schnell und erreichten den Pass bereits um 7:30 Uhr, also kurz nach Niedrigwasser.

Zuvor hatten wir jedoch zwei Boote beobachtet, die zwar nur sehr langsam gegen die Strömung in das Atoll einfuhren, den Pass aber problemlos bewältigten. Deshalb beschlossen wir, nicht auf das Stillwasser zu warten. Mit unserer üblichen Reisegeschwindigkeit von etwa fünf Knoten durchs Wasser liefen wir am östlichen Rand des Fahrwassers in den Pass ein. Dort erwarteten uns zwar einige turbulente Stellen und auf wenigen hundert Metern rund drei Knoten Gegenströmung, insgesamt verlief die Einfahrt jedoch völlig problemlos.

Auf dem Weg nach Rotoava, dem Hauptort von Fakarava, waren alle Untiefen gut betonnt. So erreichten wir schließlich unseren Ankerplatz direkt vor dem Ort.

Ankern ist hier nur in ausgewiesenen Ankerzonen und für eine begrenzte Anzahl und Zeit von Booten erlaubt.

Die Vorschrift scheint allerdings eher als Empfehlung verstanden zu werden. Bereits bei unserer Ankunft lagen rund 25 Boote in der eigentlich auf 20 Boote begrenzten Ankerzone.