
Schon kurz nach unserer Ankunft auf den Marquesas fiel uns auf, wie präsent die traditionelle Tätowierkunst hier noch immer ist. Die kunstvollen Muster schmücken nicht nur die Haut vieler Einheimischer, sondern sind Ausdruck einer jahrhundertealten Kultur. Je mehr wir darüber erfuhren, desto stärker wuchs in uns der Wunsch, selbst ein kleines Stück dieser Inselwelt dauerhaft mit uns zu tragen.

Am Sonntag war es nun soweit. Der Tätowierkünstler Alain Bigot hatte aus unserem ausführlichen Vorgespräch eine Bleistiftskizze der Tattoos entworfen, die nach unserer Zustimmung in der gewünschten Größe mit einem Stift auf die Haut übertragen wurde.

Erst dadurch konnten wir uns eine konkrete Vorstellung davon machen, wie die fertigen Tattoos später aussehen würden.

Nun begann der eigentliche Teil der Arbeit, vor dem wir zugegebenermaßen am meisten Respekt hatten: das Patutiki. Dieses marquesanische Wort setzt sich aus „patu“ (schlagen) und „tiki“ (Bild oder Figur) zusammen und erinnert an die ursprüngliche Technik, bei der die Farbe mit kleinen Kämmen und einem Klopfholz in die Haut eingearbeitet wurde. Heute werden jedoch moderne Tätowiermaschinen und feinste Nadeln verwendet, sodass die jeweils fast zweistündige Sitzung bei uns nahezu schmerzfrei verlief.
Die Basis unserer Tattoos bildet jeweils ein Mantarochen. In der polynesischen Tradition steht er für Freiheit, Schutz und die tiefe Verbundenheit mit dem Ozean. Seine ruhige und zugleich kraftvolle Art, durch das Meer zu gleiten, machte ihn für uns zum perfekten Symbol unseres momentanen Lebens auf See.

Im Zentrum beider Tattoos befindet sich eine Seeschildkröte. Traditionell steht sie für Ausdauer, Weisheit, Schutz und die Fähigkeit, immer wieder den Weg nach Hause zu finden. Für uns als Blauwassersegler besitzt sie darüber hinaus eine weitere besondere Bedeutung: Sie erinnert an unsere Überquerung des Äquators im Pazifik – einen Meilenstein unserer großen Reise.

Ritas Schildkröte wurde bewusst in ihrer natürlichen Form gestaltet. In meinem Tattoo dagegen erscheint sie in der traditionellen Bildsprache der Marquesas. Die in ihr eingearbeiteten Muster stehen nicht nur für die Schildkröte selbst, sondern verbinden das Motiv mit der Kultur dieser Inseln und machen sie zugleich zu einem Symbol unserer Reise durch Polynesien.

Mein Tattoo erzählt darüber hinaus die Geschichte unserer bisherigen Seereise. Links und rechts der Schildkröte sind insgesamt sechs Vögel dargestellt. In der polynesischen Symbolik stehen sie für Freiheit, Orientierung und die Fähigkeit, große Distanzen zu überwinden. Unter Blauwasserseglern wird einem Vogel oft die Bedeutung von rund 5.000 zurückgelegten Seemeilen zugeschrieben. Die sechs Vögel stehen somit für etwa 30.000 Seemeilen, die bereits hinter unserem Kiel liegen.

In den Flügelspitzen des Mantarochens befinden sich zudem zwei Tikis. Sie symbolisieren in der Kultur der Marquesas Schutz, Wachsamkeit und die Verbindung zu den Ahnen und sollen ihren Träger auf seinem Lebensweg begleiten.
Ritas Tattoo setzt dagegen einen anderen Schwerpunkt. Anstelle von Vögeln und Tikis sind in den Flügeln und im Schwanz des Mantarochens unsere Familie dargestellt: unser Sohn mit seiner Frau sowie unsere beiden Enkelkinder. Während mein Tattoo vor allem unsere Reise über die Ozeane symbolisiert, steht ihres für die Menschen, die uns am Herzen liegen und mit denen wir trotz der großen Entfernungen verbunden bleiben. So begleitet uns unsere Familie symbolisch auf jeder Seemeile unserer Reise.

Gemeinsam erzählen die beiden Tattoos unsere Geschichte: die Liebe zum Meer, die Freude am Reisen, die zurückgelegten Seemeilen, besondere Meilensteine unserer Fahrt und die tiefe Verbundenheit mit unserer Familie. Damit sind sie weit mehr als eine Erinnerung an die Marquesas – sie sind ein Teil unseres Lebenswegs, festgehalten in der traditionellen Kunst dieser Inseln.
Da kann ich auch nur „WOW“ sagen. Echt beeindruckend, sehr schön und eine wunderschöne Geschichte und Erinnerung dazu. Echt toll.
Viel Spaß weiterhin wünscht Euch
Elke
wow. sehr mutig. es sind sehr schöne und aussagekräftige symbole.
lb grüße