Umu – Traditionelles polynesisches Essen aus dem Erdofen

In Hanavave auf Fatu Hiva durften wir ein ganz besonderes Erlebnis miterleben: die Zubereitung eines traditionellen polynesischen Mahls im Erdofen. Von den ersten Vorbereitungen bis zum gemeinsamen Essen erhielten wir einen faszinierenden Einblick in diese jahrhundertealte Kochtradition.

Bereits einige Tage zuvor hatten wir Lea und Sopi kennengelernt. Als wir durch den Ort an ihrem Haus vorbeiliefen, winkten sie uns spontan herein. Während wir bei Lea unsere Wäsche waschen ließen, bewunderten wir die Holzschnitzarbeiten ihres Mannes – vor allem Tikis in verschiedenen Größen und aus unterschiedlichen Holzarten.

Dabei erzählten sie uns, dass sie gerne ein traditionelles Abendessen aus dem Erdofen für uns zubereiten würden. Damit sich der Aufwand lohnt, sollten wir allerdings sechs bis acht Personen zusammenbekommen. Die Getränke sollten wir selbst mitbringen, was wir am Morgen des geplanten Tages erledigten und gleich im Kühlschrank verstauten.

So konnten wir bereits die ersten Vorbereitungen am Erdofen beobachten. Bei der hohen Luftfeuchtigkeit ist es gar nicht so einfach, ein Feuer zu entfachen – selbst trocken aussehende Gräser und Blätter glimmen oft nur und erzeugen viel Rauch.

Sobald jedoch eine Flamme entstanden war, wurde reichlich Holz nachgelegt, gefolgt von großen Steinen, die später die Hitze speichern sollten.

Die Rauchentwicklung war entsprechend enorm. Wir zogen uns schließlich wieder auf unser Boot zurück, um bei den weiteren Vorbereitungen nicht zu stören.

Am späten Nachmittag kehrten wir zur Öffnung des Erdofens zurück.

Die beiden Söhne von Sopi entfernten gemeinsam die Abdeckungen aus Planen, Kokosmatten und Bananenblättern. Dabei wurde schnell klar, dass selbst nach fünf Stunden Garzeit noch immense Hitze im Ofen steckte.

Im großen Topf in der Mitte befanden sich Brotfruchtpüree, Kokosmilch und Bananen, die sich in der Milch leicht rötlich verfärbt hatten. Rundherum lagen rote Kochbananen, und in der Aluminiumfolie wurde Wildschwein gegart.

Als Vorspeise gab es frittierte Brotfrucht (Uru). Gut gewürzt erinnerte sie geschmacklich an knusprige Kartoffelscheiben und war ausgesprochen lecker.

Zu einem traditionellen Essen gehört auch Fisch: In unserem Fall roher Thunfisch, mariniert in Limettensaft und Tomaten. Dazu wurden Kochbananen und Papayasalat mit Kokosmilch und Knoblauch serviert.

Das Wildschwein war wunderbar zart und fiel förmlich vom Knochen. Es hatte einen leicht rauchigen Geschmack – typisch für die Zubereitung im Erdofen. Dazu gab es das cremige Brotfruchtpüree sowie die in Kokosmilch gekochten, angenehm süßen kleinen Bananen, die als eine Art Soße dienten.

Das Essen war so reichlich, dass trotz unseres großen Appetits noch genug übrig blieb, um Sopi und seine Familie in den folgenden Tagen zu versorgen.

Besonders beeindruckend waren auch die Geschichten, die Sopi über seine Vorfahren erzählte. Da nur wenig über ihre Kultur schriftlich festgehalten ist, wird das Wissen bis heute mündlich von Generation zu Generation weitergegeben.

So verbrachten wir noch einige Stunden in geselliger Runde und erlebten einen unvergesslichen Abend mit unseren Gastgebern Lea und Sopi sowie den Crews der Wildmaa und der Chico Blue.

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