
Omoa ist eines von zwei Dörfern auf Fatu Hiva und mit rund 400 Einwohnern der Hauptort der Insel. Abseits des Massentourismus ist Omoa ausschließlich per Boot erreichbar – einen Flugplatz gibt es hier nicht. Die meisten Segler ankern jedoch vor der weiter nördlich gelegenen Ortschaft Hanavave, da diese etwas geschützter liegt.

Omoa verfügt zwar über eine kleine, geschützte Anlegestelle, dennoch ist es ratsam, das Beiboot wegen des oft starken Schwells mit einem Heckanker oder einer Heckleine auf Abstand zur rauen Betonmauer zu halten.

Der gesamte Ort erstreckt sich entlang einer Straße, die tief ins Tal hineinführt, eingerahmt von steil aufragenden, grünen Bergen. Die höchste Erhebung, der Tekou (1115 m), blieb uns allerdings verborgen – sein Gipfel war während unseres bishetigen Aufenthalts stets in Wolken gehüllt.

Dank der Ortskenntnis von Thea und Denis, die bereits seit einer Woche hier waren, fanden wir schnell den Weg zu Mila und Maurice. Hier wird eines der traditionsreichsten Kunsthandwerke der Insel gepflegt: die Herstellung von Tapa-Stoffen.
Tapa war früher ein zentraler Bestandteil des täglichen Lebens. Es diente als Kleidung, Decke oder Raumteiler, hatte aber auch rituelle und zeremonielle Bedeutung und galt zudem als Statussymbol.
Kaum angekommen, wurde Rita auch schon in die Technik eingewiesen. Unter rhythmischem Klopfen wird die angefeuchtete Rinde des Maulbeerbaums so lange bearbeitet, bis sie sich auf ein Vielfaches ihrer ursprünglichen Größe ausdehnt und eine weiche, stoffähnliche Struktur annimmt. Ein gleichmäßiger Klang, der durch das ganze Tal hallt. Anschließend wird das Material mit einer Mischung aus Kautschuk und Maniok behandelt und zum Trocknen ausgelegt.

Maurice, ein Experte für Tikis und Skulpturen, arbeitet seit zwei Monaten an der Restaurierung eines Modells eines Va’a – eines traditionellen polynesischen Auslegerkanus –, das er uns voller Stolz präsentierte.

Als Nächstes führte uns unser Weg weiter ins Tal hinein, bevor wir nach rechts einen schmalen Pfad den Hang hinaufnahmen. Unser Ziel: eine Fundstelle von Petroglyphen. Diese in Stein geritzten Darstellungen wurden unter anderem durch Thor Heyerdahl gefunden und bekannt, der 1937 auf Fatu Hiva lebte.

Petroglyphen gehören zu den ältesten Ausdrucksformen menschlicher Kultur. Sie entstanden vermutlich während der frühen Besiedlung der Marquesas durch polynesische Seefahrer zwischen etwa 800 und 1200 n. Chr.
Besonders gut erhalten und sofort erkennbar war die Darstellung eines Walfisches.

Die übrigen Symbole erschlossen sich uns erst auf den zweiten Blick – man muss sich Zeit nehmen, um sie im Gestein zu entdecken.

Da die Geschäfte über die Mittagszeit bis etwa 14 Uhr geschlossen sind, nutzten wir die Gelegenheit für einen Besuch der kleinen Kirche des Ortes.

Während draußen die Hitze inzwischen drückend über dem Ort lag, bot die kleine Kirche angenehmen Schatten und eine wohltuende Ruhe.

Am Nachmittag beglichen wir schließlich im Rathaus die für Segler fällige Kurtaxe von 60 CFP (etwa 0,50 €) pro Person und Tag. Ein kleiner Betrag, den wir gerne zahlten – nicht zuletzt, weil Omoa immerhin über eine solide Anlegestelle verfügt.