
Nur 45 Seemeilen trennen Tahuata von Fatu Hiva – und doch liegen Welten dazwischen. Denn die Strecke führt genau gegen die beständigen Passatwinde.
Ein möglicherweise endloses Aufkreuzen hätte die Strecke erheblich verlängert – bei Tageslicht also kaum zu bewältigen. Stattdessen entschieden wir uns für eine Nachtfahrt: in der Hoffnung, schon im ersten Licht des Tages anzukommen, und mit genügend Reserve, falls es doch länger dauern sollte.
Bevor wir jedoch ablegten, wollten wir diesen besonderen Ort noch einmal auskosten. Ein letztes Mal glitten wir ins Wasser von Hanamoenoa – zurück zu den Mantas.
Die Sicht ging durch das viele Plankton fast gegen Null, die Welt unter Wasser wirkte gedämpft und geheimnisvoll. Und doch tauchte er plötzlich vor mir auf: ein gewaltiger, anmutiger Manta. Unbeeindruckt von meiner Anwesenheit zog er seine Bahnen und drehte – fast spielerisch – einen Looping durch die dichte Suppe aus Nahrung. Ein stiller, fast magischer Abschied.

Am Nachmittag, gegen 16 Uhr, lichteten wir schließlich den Anker. Unter Motor umrundeten wir die Nordspitze von Tahuata. Der Passe de Bordelaise zeigte sich gnädig – der Gegenstrom blieb mit etwa einem Knoten moderat.

Dann begann das Warten. Wir brauchten einen Wind mit nördlicher Komponente, um unseren Kurs unter Segel nach Südosten setzen zu können. Erst nach Sonnenuntergang war es so weit. Langsam drehte der Wind, und mit ihm änderte sich die Stimmung an Bord: Jetzt ging es los.

Wir nahmen Kurs auf die abgelegene, unbewohnte Insel Moho Tani. Die Nacht legte sich über den Ozean, und im Licht von Mond und Sternen arbeiteten wir uns stetig nach Osten vor. Mit diesem Kursvorhalt konnte uns auch ein zweistündiger Winddreher auf Südost nichts mehr anhaben – denn weiterhin hoch am Wind konnten wir immernoch direkt auf Fatu Hiva zuhalten.

Die See blieb ruhig, der Wind konstant bei 3 bis 4 Beaufort. Trotz der Strömung, die uns leicht nach Westen versetzte, kamen wir schneller voran als erwartet. Das leise Rauschen des Wassers, das Knarren der Leinen und das silbrige Glitzern im Mondlicht machten die Nacht zu einem dieser seltenen, vollkommenen Momente auf See.

Doch je näher wir der Insel kamen, desto mehr verschwand der Wind. Im Lee von Fatu Hiva wurde er schließlich vollständig abgeschattet. Mit nur noch einem kleinen Vorsegel trieben wir langsam entlang der dunklen Küste – die Umrisse der Insel waren gut zu erkennen.

Meter für Meter näherten wir uns unserem Ziel: Omoa, an der Südspitze der Insel.
Kurz vor Sonnenaufgang, um 5:30 Uhr, liefen wir schließlich ein.

Die ersten Sonnenstrahlen erreichten die Bucht, während wir den Anker fallen ließen. Hinter uns lag eine lange schlaflose Nacht – vor uns eine Insel, die darauf wartete, entdeckt zu werden.
Nach einem ruhigen Tag zum Ankommen werden wir morgen den südlichen Teil von Fatu Hiva rund um den Ort Omoa erkunden.