Vaitahu

Das größte Dorf mit etwa 300 Einwohnern auf der Insel Tahuata ist Vaitahu. Es liegt tief eingeschnitten zwischen hohen, steil abfallenden Bergen. Da der Ankerplatz wegen des schnell abfallenden Grundes und der starken Fallwinde nicht optimal ist, nutzten wir heute das ruhige Wetter für einen Besuch.

Wir erreichten gegen 9 Uhr morgens, nach zwei Seemeilen, die Einfahrt in die rund einen Kilometer tiefe Bucht von Vaitahu. Alles wirkte noch dunkel und fast ein wenig bedrohlich. Die Wolken in den nahezu 1.000 Meter hohen Bergen ließen keinen Sonnenstrahl bis zum Ende der Bucht durchdringen.

Der Anker fiel in 12 Meter Wassertiefe auf vermutlich sandigen Grund – genau erkennen konnten wir es ohne Sonnenlicht jedoch nicht. Nachdem wir 60 Meter Kette gesteckt und den Anker unter Motor eingefahren hatten, fühlten wir uns ausreichend sicher und bereit für den Landgang.

Mit den ersten Sonnenstrahlen kamen zahlreiche Delfine in die Bucht. Sofort wirkte der Ankerplatz um ein Vielfaches freundlicher.

Gemeinsam mit der norwegischen Crew der Alissa hatten wir für diesen Tag eine Tour über die Insel organisiert. Kathi, Kano und ihr Sohn – Betreiber des kleinen Restaurants „Kano“ – holten uns mit zwei Allrad-Pickups ab und fuhren mit uns über die Berge in den südlichen Teil der Insel.

Wir hatten viel Spaß, auch wenn die Verständigung mit einem Mix aus Englisch und Französisch manchmal etwas holprig war.

Anders als auf Hiva Oa gibt es auf Tahuata ausschließlich Naturstraßen, die an den steilsten Passagen gelegentlich mit Betonplatten verstärkt sind.

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Durch den dichten Bewuchs – selbst auf den Passhöhen – gab es nur wenige Aussichtspunkte mit freiem Blick aufs Meer. Dafür legten wir mehrere Stopps unter Mango- und Pampelmusenbäumen ein und konnten die Früchte direkt vor Ort genießen.

Nahe der südlichen Ortschaft Hapatoni stießen wir auf Trockengestelle zur Herstellung von Kopra – getrocknetem Kokosnussfleisch. Neben etwas Tourismus ist dies eine der wenigen Einnahmequellen der Insel. Die Kopra wird nach Tahiti verschifft und dort hauptsächlich zu Öl oder Seife weiterverarbeitet.

Weiter ging die Fahrt bis zum kleinen Hafen von Hapatoni. Hier könnten wir mit dem Dinghy problemlos anlegen, allerdings gibt es in der Bucht keine geeigneten Sandflächen, um unsere Kirke sicher zu ankern.

Sehenswert war auch die kleine Steinkirche neben dem Versammlungsplatz der Gemeinde.

Die Kirche wurde im Auftrag des Vatikans erbaut und verbindet klassische katholische Architektur mit lokalen Elementen. Besonders auffällig sind die bunten Glasfenster und die kunstvollen polynesischen Holzschnitzereien im Innenraum.

Auf dem Rückweg fragte mich Kano, ob ich Chili möge. Ich bejahte – woraufhin er in der nächsten Kurve anhielt und mich aufforderte, einen Busch zu ernten. Mit einem breiten Grinsen fügte er hinzu: „Aber Vorsicht – sehr scharf!“

Ich hatte noch nie zuvor einen so großen Chilibusch gesehen und machte mich sofort begeistert ans Werk.

Nach unserer Rückkehr besuchten wir noch sein Zuhause und seine Obstplantage.

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Dort wurden wir großzügig mit verschiedenen Mangosorten, Limonen, Pampelmusen, Papayas und Bananen versorgt.

Zum Tagesabschluss kehrten wir in Kanos kleinem Restaurant ein. Die Auswahl war überschaubar: Huhn mit Nudeln und Gemüse oder Steak mit Pommes frites. Doch ich war begeistert – üppige Portionen und eines der besten Steaks seit Langem. Der französische Einfluss in der Zubereitung war deutlich zu spüren.

Zurück an Bord bewunderten wir schließlich unsere „Beute“, nachdem wir alles gründlich mit Salzwasser gewaschen hatten. Das dürfte für die nächsten Tage mehr als genug Obst sein.