Landausflug ins Innere von Hiva Oa – Auf den Spuren der polynesischen Kultur

Um mehr über die polynesische Kultur zu erfahren, organisierten wir gemeinsam mit der Crew der Wildmaa eine Tour zu einigen der schönsten Aussichtspunkte der Insel und zu den heiligen Stätten der polynesischen Ureinwohner.

Mit einem Allradfahrzeug holte uns unser Guide Moe direkt am Hafen ab. Die Strecke führte uns zunächst steil bergauf, vorbei am Flugplatz der Insel, hinein in ein Tal auf der Nordseite von Hiva Oa.

Wir waren erstaunt über den guten Zustand der asphaltierten Straßen. Laut Moe gehen diese auf eine geplante Besuchsankündigung von Jacques Chirac zurück – auch wenn der damalige französische Präsident letztlich nie gekommen ist.
„Macht nichts – dafür haben wir jetzt gute Straßen auf der ganzen Insel“, kommentierte Moe mit einem Schmunzeln.

Im Talgrund erreichten wir die entlang der Straße gelegene Gemeinde Hanaiapa, in der je nach Jahreszeit etwa 60 bis 90 Menschen leben.

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Schnell wurde klar: Hier lebt man weitgehend als Selbstversorger. Obst und Gemüse wachsen direkt in den Gärten, Ziegen und Hühner laufen frei umher – alles wirkt ursprünglich und entspannt.

Am Strand begegneten wir dann unserem ersten Tiki. In der polynesischen Kultur stellen sie die Verbindung zwischen Mensch und Natur, zwischen Himmel und Erde dar und symbolisieren die Schöpfung und das Leben selbst. Sie gelten als Schutzgeister und wurden von den Polynesiern verehrt.

Dieser hier wirkte allerdings fast zu gut erhalten – vermutlich ein Nachbau. Unser Guide verlor dazu kein Wort, schließlich sollten wir später noch echte, historische Tikis sehen.

In der weiten Bucht lag ein einzelner Segler vor Anker – vermutlich auf dem Weg nach Norden mit einem Zwischenstopp hier.

Der Fluss, der hier ins Meer mündet, war trotz der starken Regenfälle der letzten Tage nur ein schmales Rinnsal.
Moe erklärte uns den Hintergrund: Vor rund 100 Jahren war die Insel nahezu baumlos. Mit der Aufforstung – zunächst mit Pinien – veränderte sich der Wasserhaushalt drastisch. Jede Pinie verbraucht enorme Mengen Wasser, wodurch die Bäche deutlich weniger Wasser führen. Inzwischen mussten sogar Wasserkraftwerke in den größten Tälern stillgelegt werden. Auch andere Baumarten konnten dieses Problem bisher nicht lösen.

Eine echte Kuriosität ist der Kreisverkehr in der Inselmitte. Laut Moe stehen hier die meisten Verkehrsschilder der gesamten Insel. Gebaut wurde er, um den Verkehr flüssig zu halten – „welchen Verkehr?“ fragt man sich unweigerlich.
Moe nimmt jedes Mal eine Ehrenrunde, damit diese Errungenschaft – der einzige Kreisverkehr der Marquesas – auch entsprechend gewürdigt wird 😊

Im zentralen Bereich der Insel fanden wir schließlich den einzigen, etwa zwei Kilometer langen Abschnitt ohne Asphalt. Die Piste führte uns bis auf rund 750 Meter Höhe.

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Im weiteren Verlauf in den Osten der Insel überquerten wir zahlreiche Bergkämme – mit spektakulären Ausblicken bis tief hinab zur Küste.

Unterwegs konnten wir sogar aus dem Auto heraus wilde Himbeeren pflücken, die hier oben in großer Zahl wachsen.

Und natürlich haben sie hervorragend geschmeckt.

Moe entpuppte sich zudem als echtes Multitalent. An mehreren Aussichtspunkten holte er seine Ukulele hervor – oder wie er sie nannte: „Ukarere“, da es im Polynesischen kein „L“ gibt – und spielte für uns verschiedene Lieder.

Nach dem Mittagessen ging es weiter ins Puamau-Tal. Es ist das bedeutendste Gebiet der Insel – und sogar des gesamten Archipels – wenn es um steinerne Kultstätten geht.

Die Maea Lipona gehört zu den wichtigsten archäologischen Stätten Französisch-Polynesiens. Ihr Ruhm basiert auf der Größe, Anzahl und Vielfalt der dort befindlichen Tikis. Nicht zuletzt deshalb ist sie Teil der Kandidatur der Marquesas-Inseln zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Bis heute haben die Bewohner großen Respekt vor diesem Ort. Die Anlage stammt vermutlich aus dem 18. Jahrhundert und ist tief in der mündlichen Überlieferung der Insel verankert.

Vor der Plattform befand sich einst der Versammlungsplatz des Häuptlings. Hier wurden Zeremonien abgehalten – darunter auch Menschenopfer.

Ein besonders eindrucksvoller Tiki ist der Fruchtbarkeit gewidmete. Er zeigt eine Frau in den Schmerzen der Geburt. Sein Blick ist zum Fluss gerichtet, wo traditionell Geburten stattfanden – während die meisten anderen Tikis zum Meer blicken.

Eine weitere Kuriosität ist ein eingraviertes Symbol, das an ein Lama erinnert – ein Tier, das eigentlich nur in Südamerika vorkommt. Bis heute wirft das Fragen über mögliche Verbindungen oder Reisen der Polynesier auf.

Die größten Tikis der Anlage stellen unter anderem den Häuptling und Krieger Takaii dar. Mit 2,53 Metern ist er der größte Tikis in Französisch-Polynesien. Weitere Figuren zeigen links hinten die Frau von Takaii und recht vorne vermutlich ebenfalls eine ältere hochrangige Persönlichkeit.

Nach so vielen Eindrücken und Informationen traten wir am Nachmittag die Rückfahrt an. Ein kurzer Stopp unter einem Mangobaum kam genau richtig. Es war Regenzeit, und die Früchte waren reif, süß und unglaublich aromatisch.

Doch damit war die Tour noch nicht zu Ende. Zum Abschluss ä stand noch ein weiteres Highlight auf dem Programm: der „Smiling Tiki“. Um ihn zu erreichen, mussten wir einige hundert Meter zu Fuß in ein kleines Tal hinabsteigen.


Der Weg war durch den Regen rutschig und schlammig – doch das scheinbare Lächeln des Tikis entschädigte uns für die Mühe.


Gegen 17 Uhr erreichten wir wieder den Hafen. Erschöpft, aber voller Eindrücke und neuer Erkenntnisse – und mit dem Gefühl, dass uns wohl kaum jemand die polynesische Kultur so authentisch näherbringen konnte wie Moe.