
Die heutige Etappe zur Vista Mar Marina führte uns zurück ans Festland. Mit einer Strecke von 22 Seemeilen war sie in rund vier Stunden abgesegelt. Doch ganz so unspektakulär, wie es zunächst schien, sollte der Tag dann doch nicht enden.

Die Nacht verlief weitgehend ruhig. Nachdem sich ab Mitternacht der böige Wind gelegt hatte, blieben auch die zuvor spürbaren Fallwinde aus.

Gegen 9 Uhr legten wir ab – zunächst unter Motor, um aus der Windabdeckung der Isla Otoque herauszukommen. Danach ging es völlig entspannt weiter, nur unter Vorsegel, mit wenig Welle und leichtem Nordwind um 3 bis 4 Beaufort in Richtung Marina.

Wenige Meilen vor der Ankunft konnten wir über dem Festland bereits dunkle Wolken aufziehen sehen. Regen und kräftigen Wind hatten sie im Gepäck. Musste das ausgerechnet jetzt sein? Genau während des Hafen- und Anlegemanövers frischte der Wind auf bis zu 30 Knoten auf.
Doch der Innenhafen der Vista Mar Marina ist so großzügig angelegt, dass dies keinerlei Probleme bereitete. Nach wenigen Minuten lagen wir sicher vertäut in unserer Box – und genauso schnell war auch der Wetterspuk wieder vorbei.

Dann jedoch folgte der Schreckmoment. Ein Blick auf den Tiefenmesser zeigte, dass die Wassertiefe für das Niedrigwasser am Abend gerade noch ausreichen, beim Niedrigwasser am nächsten Morgen jedoch etwa 30 Zentimeter fehlen würden. Also noch einmal umlegen – laut Dockmaster sollte es am neuen Platz tiefer sein.
Das Echolot zeigte jedoch exakt dieselbe Tiefe an. Nun begann eine längere Diskussion mit dem Marinamanagement, denn ich wollte keinesfalls riskieren, den frisch mit Coppercoat beschichteten Kiel gleich wieder zu beschädigen.
Also griff ich selbst zu Maßband mit Senkgewicht und maß die Wassertiefe an mehreren freien Liegeplätzen. Das Ergebnis: An unserer Steganlage für Boote bis 50 Fuss Länge gab es lediglich zwei Plätze mit ausreichender Tiefe – einen an der Tankstelle und einen in der Box direkt davor.

Also hieß es ein letztes Mal umziehen und endgültig festmachen. So wurde aus einer kurzen Überfahrt am Ende doch noch ein tagesfüllendes Programm. Immerhin mit dem beruhigenden Gefühl, dass die Wassertiefe nun selbst für das Springniedrigwasser am 5. Januar sicher ausreichen wird.