
Nach einer nahezu windlosen und ruhigen Nacht begann die zweite Etappe unserer Kanalpassage mit einem feurigen Morgenrot.

Für panamaische Verhältnisse erschien der Advisor überpünktlich um 7:00 Uhr. Nach einer kurzen Lagebesprechung lösten wir uns von der Mooringboje und begaben uns auf den ersten Abschnitt über den Gatúnsee.

Die Wasserstraße, die über diesen Teil des Panamakanals führt, ist etwa 35 Kilometer lang. Trotz der kurvenreichen Streckenführung bleibt das Fahrwasser auf dem Gatúnsee stets sehr breit.

Auch bei Gegenverkehr haben hier selbst die großen Schiffe keinerlei Probleme. Für diesen – aus unserer Sicht eher uninteressanten – Abschnitt benötigten wir rund vier Stunden.

Je näher wir der Stadt Gamboa kamen, desto enger wurde das Fahrwasser, das sich nun um mehrere Inseln im See windet. Dies ist zugleich der touristische Abschnitt, in dem man auf Passagierschiffe und zahlreiche kleine Ausflugsboote trifft.

Da wir bis hierhin flott vorangekommen waren, hatten wir uns doch zu früh über eine schnelle Durchfahrt gefreut. Auf den letzten Kilometern vor Gamboa mussten wir auf minimale Geschwindigkeit reduzieren, da im nächsten Abschnitt, dem sogenannten „Culebra Cut“, solange Einbahnverkehr herrscht, wie sich ein manövrierbehindertes Schiff darin befindet.

Nach rund einer Stunde des Wartens war der Weg endlich frei, und wir konnten in den letzten Abschnitt des Panamakanals einfahren.

Im „Culebra Cut“, der engsten Stelle des Kanals, kann man gut erahnen, wie schwierig es gewesen sein muss, diesen Durchbruch unter tropischen Bedingungen mit Grab- und Sprengarbeiten zu schaffen. Direkt nach dem Passieren der Centenario-Brücke beginnt der Bereich der Pazifikschleusen.

Der Abstieg zum Pazifik erfolgt ebenfalls über drei Schleusenkammern, allerdings nicht als klassische Schleusentreppe. Die übliche Prozedur mit Päckchenbildung erledigten wir in derselben Formation wie am Vortag, kurz vor der Schleuseneinfahrt. Dieses Mal wurden wir ganz vorne in der Schleuse festgemacht.

Bei der Talfahrt werden die großen Schiffe hinter den kleinen Booten angeordnet. Auf unser „Dickschiff“ mussten wir fast zwei Stunden warten – damit war jede Hoffnung auf eine schnelle Kanalpassage endgültig verflogen. Dennoch war die schiere Größe eines Schiffes der Panamax-Klasse direkt hinter uns äußerst beeindruckend.

Zur nächsten Schleuse ging es über den kleinen Miraflores-See. Für die nur etwa einen Kilometer lange Strecke lösten wir das Päckchen nicht auf und fuhren direkt in die erste Kammer der Miraflores-Schleuse ein.

In unmittelbarer Nähe zu Panama City ist diese Schleuse ein echter Publikumsmagnet.

Hunderte Touristen drängten sich auf den Tribünen des Visitor Centers, um einen Schleusungsvorgang zu beobachten – und wir lagen genau davor festgemacht.

Nach wenigen Minuten wurde schließlich auch unser großes Schiff mithilfe der Lokomotiven in die Kammer gezogen. Die Schleusungen in den beiden Kammern verliefen zügig.

Bei Sonnenuntergang öffnete sich schließlich das letzte Tor zum Pazifik.
Was für ein Moment – wir sind endlich durch.

Unmittelbar nach der Ausfahrt wurde das Päckchen aufgelöst, und jeder von uns machte sich auf den Weg zu seinem Tagesziel. Nach Sonnenuntergang wird es hier sehr schnell dunkel.

Hinter der Brücke der Américas endet der Panamakanal offiziell. Hier wurde unser Advisor vom Lotsenboot abgeholt. Für uns lagen noch einige Seemeilen bis zur Anchorage Las Brisas vor uns, die wir erst nach Einbruch der Dunkelheit erreichten.
Auch wenn die Passage länger gedauert hatte als geplant, war es insgesamt eine gelungene Durchfahrt mit kompetenten Linehandlern. Der späte Abend brachte jedoch noch einen unschönen Abschluss:
Unser Agent konnte sich plötzlich nicht mehr daran erinnern, seine Mitarbeiter und das Material wie vereinbart abzuholen. Stattdessen erklärte er, es sei nun zu spät, er bekomme kein Transportboot mehr, und wir müssten selbst für das Anlandbringen sorgen. Erst nach längeren, lauten und unschönen Wortgefechten – inklusive Beschimpfungen, Drohungen mit Mehrkosten und einem abgebrochenen Telefonat – kam etwa eine halbe Stunde später der Rückruf mit der Entwarnung: Es würde doch noch ein Boot zur Abholung kommen.
Warum nicht gleich so?
Auch wenn sonst alles reibungslos funktioniert hat, kann ich diesen Agenten, sofern ich gefragt werde, aufgrund dieses Geschäftsgebarens nicht weiterempfehlen.
Was für ein tolles Erlebnis!!!
Schade das es am Ende einen schlechten Beigeschmack hatte.
Der Preis für diese Durchfahrt ist ja kein Schnäppchen !!!
Richtig gemacht… eine Warnung für andere! DANKE !!
Prosit 2026, möge es für euch ein gutes Jahr mit schönen Momenten werden!!!
Lg SY Cina